Grand Tour der Mönche – Ausstellung zur Reisekultur der Benediktiner, Stiftsarchiv St. Gallen

Unter diesem Titel zeigt das Stiftsarchiv St.Gallen eine Ausstellung zur Reisekultur der Benediktiner. Sie öffnet den Blick auf die unerwartet hohe Mobilität von Mönchen, ihr Interesse an Sprache und Kultur des Südens zu einer Zeit, als Reisen noch eine Kunst war. Aufgabe ist, das Thema selbst und dazu eine Menge wertvoller Exponate (Schrift und Bild) zu strukturieren und szenografisch in einem Raum mit 600 m2 wirkungsvoll aufzuzeigen. Aus dem Ausstellungsraum entsteht ein Stadtraum mit Gassen, Ecken, Plätzen und Innenräumen. Die Inhalte werden in vier begehbaren Boxen strukturiert und unterteilt. Sie könnten gleichsam Reisecontainer (außen) und Studioli (innen) sein und sind den Themenfeldern Peregrinatio, Instructio, Recreatio und Memorabilia zugeordnet. Im Wesentlichen entwickelt sich darin das Leben der Schaustücke. Mit eigens entwickelten Mustern, Farben und Initial-Signets werden die Studioli in eine barocke, semiotisch aufgeladene Athmosphäre getaucht. Dem Entwurf vorausgegangen waren Recherchen an entsprechenden Orten und in Rom selbst. Ähnlich dem Kontrast von reisenden Mönchen zu ihrer sonstigen Kontemplation und «Stabilitas loci» entwickelt sich die Zusammenwirkung von Dichte und Ruhe.

So spielt die Gestaltung, ganz gleich ob Plakat- oder Ausstellungsgestaltung, immer wieder mit der Interferenz zweier Pole. Es geht ja leztlich auch, wie schon der Titel verrät, um Beziehung zweier frühen Metropolen: dem reliquientrunkenen Ablassmarkt Roms als christlichem Haupt der Welt und der damals schönsten Hafenstadt, Neapel.Die Rauheit damaliger Reisen wird durch die grobe Holzkonstruktion mit «Orientet Strand Boards» lesbar. Und diese steht wiederum im Kontrast zur beschaulich schönen Innenwelt des «Ordo Sancti Benedicti». Die Grafiken an Wänden und Böden der Studioli spielen mit der durchscheinenden Textur der Holzfasern und ergeben einen interessanten Zusammenklang der beiden «OSBs».

Die letzte Box ist eine Wunderkammer zum Thema «Memorabilia». Diese hebt träumerisch die Erinnerungen in den Himmel des Südens – wieder ein großflächiger Digitaldruck auf OSB-Platten – und visavis, dort wo der St.Galler Himmel sichtbar geworden wäre, wird der Durchblick in die Welt früher Glasplattenfotografie geboten. Oder ein anderes Beispiel: Die kontemporären Neapel-Fotografien von Katalin Deér platzierten wir bewusst in einer externen Plakatausstellung auf Storchenständern im Klosterplatz. In den Drucksachen zur Ausstellungsbewerbung überschreibt die Logotype Details historischer Vesuvabbildungen.